Peeple, an app under development and co-founded by an Orange County woman, came under Internet fire for its purpose to give people a star rating, much like Yelp. The founders have shifted gears and are now pitching the app as a positivity network.

Peeple are Peeple

Die neue App Peeple soll eine Rating-App für Menschen werden. Damit steht die App nicht alleine da. Beinahe jede App, die wir im Alltag verwenden, hat eine Social-Media-Komponente. Im Unterschied zu den akzeptierten und sich stetig weiterentwickelnden Lösungen wie Twitter, Facebook oder auch Tinder und BandsInTown hat Peeple bereits vor dem Launch Kontroversen ausgelöst.

Nicht nur sehen viele in der Bewertung von Menschen etwas Unmoralisches und Gemeines, sondern eine Funktion stösst sauer auf: Auch Menschen ohne Peeple-Profil sollen bewertet werden können.

Menschen-Ranking

Das Konzept hinter Peeple ist schnell erklärt: Es erlaubt seinen Benutzern, andere Personen zu bewerten. Julia Cordray, die Unternehmerin hinter Peeple, erläutert ihren Geistesblitz wie folgt:

In April 2014, my best friend and co-founder picked up the phone and said, ‘You know what? I live in this town-home complex in Southern California, and I’ve got these neighbors, and I’ve got teachers teaching my children… but I don’t really have a way of looking them up, and I feel like I really should have the ability to find out who somebody is and find out their true character.’ And I said, ‘Wow, that’s a really big problem to solve.’ And I was lucky enough that she said, ‘Let’s solve it together!’ and here we are: we thought there should be an app for that.

Betrachtet man den Use-Case einigermassen nüchtern, so kommt man vermutlich zum Resultat, dass die Idee so spektakulär nicht ist. Andere Dienste, wie RateMyProfessor.com existieren seit langem und sind gemeinhin als legitim akzeptiert, allerdings soll dort eine Bewertung basierend auf akademischer Qualität, nicht im Hinblick auf den Charakter der Person stattfindet. Peeples Mitgründerin Nicole McCullough betrachtet ihre Idee dagegen als revolutionär:

We are bold innovators and sending big waves into motion and we will not apologize for that because we love you enough to give you this gift.

Die Frage, die sich aufdrängt ist: Ist es wirklich notwendig, dass wir uns als Menschen subjektiv bewerten lassen wollen? Im letzten Satz findet sich gleichzeitig auch der Punkt, der für die grosse Kontroverse rund um Peeple führte: lassen. Im Gegensatz zu anderen Diensten, die zu einem gewissen Mass ähnliche Implikationen tragen, zum Beispiel Tinder, kann sich niemand der Bewertung auf Peeple entziehen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, wer kein Profil hat, dessen Profil wird für ihn bei Bedarf erstellt. Eine Grenzüberschreitung.

Grenzen werden überschritten

Aus Sicht des Datenschutzes, aber vor allem des gesunden Menschenverstandes, ist am Sinn von Peeple durchaus Kritik angebracht: Eine Applikation, die sich geradezu zum Ausgrenzen und Denunzieren von Dritten aufdrängt, verdient eigentlich nicht einmal die massive negative Publicity, die sie dieser Tage erfährt.

Bei aller Kritik hat Peeple doch einen positiven Aspekt: Es schafft das Bewusstsein dafür dass eine Nicht-Teilnahme an sozialen Netzwerken im grösseren Kontext nicht immer heisst, dass keine Involvierung besteht. Wer lange eine Abstinenz zu Facebook pflegte wundert sich nach dem ersten Einloggen oftmals über erschreckend akkurate Empfehlungen im Hinblick auf potenzielle Kontakte und Vorlieben – aggregiert aus den kombinierten Adressbüchern, Fotos und weiteren Daten der bereits bestehenden Accounts. Wer kein aktiver Knoten in einem Netzwerk ist, wird dadurch nicht inexistent, sondern lediglich passiv.

So ist es denn auch wenig erstaunlich, dass immer mehr Nutzer von einem Boykott sozialer Netzwerke absehen und stattdessen eine kontrollierte, inaktive Nutzung anstreben. So kann das projizierte Bild individuell gesteuert werden, anstatt durch Algorithmen und Big Data. Oder, wie im Fall von Peeple, dem kritischen Nachbarn projiziert zu werden.

Inwiefern diese Notwendigkeit des individuellen Brand Managements Sinn macht, das bleibt fraglich. Ähnlich wie Google-Nutzern nach langem Hin und Her das Recht auf Vergessenwerden einräumt, so sollten soziale Netzwerk dem Nutzer zumindest ein Recht auf Unsichtbarkeit einräumen.

Was Peeple angeht, so bleibt zu hoffen, dass die Idee beim Launch, nicht zuletzt wegen des grossen Medienechos, auf wenig Interesse stösst und ohne viel Lärm wieder verschwindet. Trotzdem: Sollte sich Peeple wider Erwarten etablieren, so sollten sich die beiden Gründerinnen auf zahlreiche Ein-Stern Bewertungen einstellen.

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